GRÜNES BAND – Europas größtes und längstes Biotopverbundsystem
Das Grüne Band Europa bildet das größte mehr oder minder zusammenhängende Biotopverbundsystem Europas, das auf 12.500 km zwischen 24 Staaten verläuft. Es zählt zu den raren und positiven Hinterlassenschaften des Kalten Krieges und des Eisernen Vorhanges. Es gründet sich auf die Existenz von vielen Schutzgebieten entlang des ehemaligen Eisernen Vorhanges. Dass diese über Jahrzehnte währende Grenze und Todeszone, die sehr viel menschliches Leid hervorgebracht hat, für die Tier- und Pflanzenwelt zu einer Oase des Überlebens geworden ist, ist dem Umstand zu verdanken, dass der Grenzraum immer Hürde gegenüber den ehemaligen Ostblockstaaten war. Der Eiserne Vorhang war nicht nur sichtbar, er hat auch physisch gewirkt. Als streng gesicherte Barriere hat er über viele Jahrzehnte Menschen von einander getrennt, hat Kulturlandschaften zerschnitten, hat funktionierende soziale, kulturelle und wirtschaftliche Netzwerke zerstört.
Am Österreichischen Abschnitt des Grünen Bande, auf einer Länge von von rund 1.200 km, liegen zwischen Oberösterreich und Kärnten 151 Gemeinden - vom Böhmerwald bis zu den Karawanken. Mittendrin die Tiefebene des Neusiedler Sees, der zusammen mit den Grenzflüssen Thaya, March und Mur Feuchtgebiete von internationaler Bedeutung repräsentiert. In einigen Gemeinden befinden sich bereits Besucherzentren, die das Grüne Band erlebbar und sichtbar machen. Das Grüne Band ist aber auch Vermittler von Geschichte, Kultur, Klimaschutz, Umweltschutz und Tourismus. Das soziale Miteinander dies- und jenseits der Grenze ist zu einem wichtigen Aspekt geworden. In Österreich ist der Naturschutzbund 2004 mit der Betreuung des Grünes Bandes über das Umweltbundesamt beauftragt worden. Die Länder haben sich 2019 mit der „Erklärung von Illmitz“ gemeinsam zur Erhaltung des grünen Bandes bekannt.
GRÜNES BAND – Geschichte
Das Grüne Band ist ein lebendiges Denkmal europäischer Geschichte, ein Mahnmal gegen das Vergessen und gleichzeitig ein Symbol für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Naturschutz. Insbesondere mit der Erweiterung der EU am 1. Mai 2004 bekam das Projekt einen enormen Auftrieb, und es gibt die große Chance, europäische Naturschutzziele von internationalem Rang und historischer Dimension zu erreichen und gleichzeitig einen wichtigen Beitrag zur Überwindung der ehemaligen Grenze zu leisten.
Die Idee zu diesem Projekt wurde im Jahre 1989 von visionären Naturschützern der BRD und DDR geboren, als es darum ging, den freigewordenen ehemaligen innerdeutschen Grenzverlauf als neues Naturrefugium zu sichern. Die Gründungskonferenz 2004 in Österreich war im Nationalpark Fertö-Hansag.
GRÜNES BAND – in Abschnitte unterteilt
Der Übersichtlichkeit wegen ist das Grüne Band Europa in drei Abschnitte unterteilt – ausgehend von einem nördlichen Abschnitt, der in den zentraleuropäischen Abschnitt überführt und mit dem südosteuropäischen Abschnitt endet. Allerdings darf man sich das Grüne Band nicht als eine ununterbrochene Aneinanderreihung von Schutzgebieten vorstellen, sondern es ist eine Kette von Lebensräumen mit unterschiedlichem Schutzstatus, die durch Korridore miteinander vernetzt sind.
Fennoskandischer Abschnitt
– Länder
▪ Norwegen, Finnland, Russland, Estland, Lettland, Litauen
– Bedeutung
▪ kaum bewirtschaftete, boreale Nadelwälder der Taiga und Waldtundra
▪ Küstenbereiche – Lebensraum für Zugvögel
▪ hoher Tierreichtum: Braunbär, Wolf, Ringelrobbe, Lachs, Taiga-Rentier …
Zentraleuropäischer Abschnitt
– Länder
▪ Polen, Deutschland, Tschechien, Österreich, Ungarn, Slowakei, Slowenien, Italien, Kroatien
– Bedeutung
▪ vorwiegend von Kulturlandschaften umgeben
▪ naturnahe Strukturen: Elbegebiet, Harz, Bayrischer und Böhmer Wald
▪ grenzüberschreitende Nationalparke Thayatal-Podyji und Neusiedler See / Fertö-Hanság
Südeuropäischer Abschnitt
– Länder
▪ Serbien, Montenegro, Rumänien, Bulgarien, Mazedonien, Albanien, Griechenland, Türkei
– Bedeutung
▪ bedeutende Gewässersysteme (Drau-Mur-Flusssystem), Skutarisee mit Bojana-Delta (Albanien), Prespa-Ohrid-Seen (Mazedonien)




